Jahresbericht 2017

1.1 Vorwort Ladina Heimgartner, Präsidentin


Einmal mehr durfte ich im vergangenen Jahr feststellen, wie grosszügig und mitfühlend die Menschen in der Schweiz sind, wenn andere von Katastrophen und Schicksalsschlägen heimgesucht werden. Und ich durfte mich vergewissern, dass es verlässliche Bande sind, welche die Spenderinnen und Spender mit der Glückskette verbinden. Gerade bei der Sammlung für Bondo, aber auch während der Sammelaktionen von «Jeder Rappen zählt», «Coeur à Coeur» und «Ogni centesimo conta» rollte einmal mehr eine Welle der Solidarität über die Schweiz. Es sind eindrückliche Momente, denn sie vermögen es, Zuversicht und Hoffnung in Tage des Unglücks zu bringen.

Es freut mich ganz besonders, dass wir unserem Ziel, als Glückskette auch in der Schweiz vermehrt zu helfen, im letzten Jahr ein gutes Stück nähergekommen sind. Gelingen konnte dies, da wir neu – neben den Partnern für die internationale Hilfe – nun auch in der Schweiz ein «Glücksnetz» von über 50 vertrauenswürdigen Organisationen und Vereinen haben, die professionell mit der Glückskette zusammenarbeiten.

Im Zusammenhang mit der No-Billag-Abstimmung wurde auch die Glückskette zum Thema. So wurde der Öffentlichkeit einmal mehr bewusst, wie eng die SRG und die Glückskette miteinander verbunden sind. Die Glückskette ist seit Jahrzehnten der humanitäre Arm der SRG und nur dank dem wirkungsvollen Zusammenspiel der SRG-Sender und dem humanitären Knowhow der Glückskette ist es möglich, immer wieder, in allen Landesteilen und quer durch alle Generationen, rasch und effektiv Geld zu sammeln, um Not zu lindern.

Es ist nun Zeit für mich, Bilanz zu ziehen, da ich per Ende 2017 die Zügel der Glückskette in die Hände meines Nachfolgers gelegt habe. Als neuer Präsident leitet Pascal Crittin, Direktor von RTS, nun die Geschicke der Glückskette. Für mich waren es fünf bereichernde Jahre (2 Jahre als Vize-Präsidentin und 3 Jahre als Präsidentin). Ich gewann nicht nur einen detaillierten Einblick in die humanitäre Welt, sondern konnte zudem mitverfolgen, wie auch in dieser Branche – und nicht nur in der Medienbranche – alles im Wandel ist. Ich bin stolz, dass wir diesen Wandel nicht nur mitgemacht, sondern auch teilweise antizipiert und aktiv gestaltet haben.

All dies war nur möglich dank einer professionellen und dynamischen Zusammenarbeit zwischen dem Stiftungsrat und der Geschäftsstelle unter der Leitung von Direktor Tony Burgener. Ich möchte den Gremien und den Mitarbeitenden der Glückskette sowie den Partnerorganisationen meinen Dank aussprechen. Vor allem aber gilt mein Dank allen Spenderinnen und Spendern, die der Glückskette immer wieder ihr Vertrauen schenken. Und wenn ich auch als Präsidentin mein Amt niedergelegt habe, so werde ich der Glückskette als überzeugte Spenderin treu bleiben.

Ladina Heimgartner

Präsidentin

1.2 Vorwort Tony Burgener, Direktor


Das Jahr 2017 war gekennzeichnet von verschiedenen grossen, aber auch vielen schleichenden oder gar andauernden Katastrophen. Das Erdbeben in Mexiko, die Fluten in Südasien und die Wirbelstürme Harvey, Irma und Marie in der Karibik und den USA erschütterten die Welt; der Bergsturz in Bondo die Schweiz. Kriege und Konflikte im Mittleren Osten, Asien und in Afrika wurden weit weniger wahrgenommen, obwohl sie weiterhin Millionen von Menschen in die Flucht treiben und ins Elend stürzen. Im vom Krieg geschüttelten Jemen litten die Menschen unter einer massiven Choleraepidemie und waren zeitweise von der Hilfe abgeschnitten. Still und ohne grosse Medienaufmerksamkeit litten millionen Menschen in Afrika unter einer grossen Hungerkrise.

Eigentlich hätte 2017 für die Glückskette ein Rekordjahr sein müssen. Das war es aber nicht. Wir konnten dank der Grosszügigkeit und der Solidarität der Schweizer Bevölkerung bei unseren Spendenaufrufen zugunsten der Menschen in Somalia, im Südsudan und in Nigeria, aber auch für die nach Bangladesch geflüchteten Rohingya als auch für die Leute in Bondo über 38 Millionen Franken sammeln. Bei den anderen obengenannten Katastrophen war das Fundament für eine Sammlung hingegen nicht gegeben. Entweder riefen die betroffenen Staaten nicht für internationale Hilfe auf, waren die Schweizer Partnerhilfswerke nicht vor Ort oder die Medienaufmerksamkeit war nicht gegeben. Wenn nicht alle drei dieser Bedingungen erfüllt sind, sehen wir von einer Sammlung ab.

Ist dies aber recht und gerecht? Kommt es in Zukunft überhaupt noch zu Katastrophen, auf die wir mit unseren heutigen Mitteln reagieren können? Was, wenn die Spenderinnen und Spender ob all dieser Katastrophen müde werden? Solche Fragen wie auch jene betreffend der Rolle der Glückskette müssen wir noch weit vertiefter angehen.

Dabei kommt natürlich auch unserer Stifterin, der SRG, eine wichtige Rolle zu. Sie stellt den Mehrwert dar, den wir den Spenderinnen und Spendern, den Partnerhilfswerken und den betroffenen Bevölkerungen in Krisenländern bieten können. An Sammeltagen erreicht sie auch die hintersten Winkel unseres Landes, in allen vier Landesprachen, mit professionell aufgearbeiteten Reportagen und mit Moderatorinnen und Moderatoren, welche die Zusammenhänge plausibel machen und zum Spenden anregen. Eine solche Sammelplattform, unterstützt auch von Privatradios und Printmedien, ist weltweit einmalig.

Wir bedanken uns herzlichst bei all unseren Spenderinnen und Spendern sowie Partnern für das Vertrauen, das sie uns Jahr für Jahr entgegenbringen. Ein besonderer Dank geht an die scheidende Präsidentin Ladina Heimgartner, welche die Glückskette in den letzten drei Jahren mit Weitsicht führte. Stiftungsrat und Direktion durften den neuen Präsidenten der Glückskette Pascal Crittin, Direktor von RTS, an ihrer letzten Sitzung im Jahr begrüssen.

Tony Burgener

Direktor

2. Umsetzung der Unternehmensstrategie 2017 – 2020


Im Jahresbericht 2016 wurde die Unternehmensstrategie 2017 2020 im Detail vorgestellt. Die Glückskette hat in deren Umsetzung im abgelaufenen Jahr bereits grössere Fortschritte erzielt.

Besonders die Hilfe in der Schweiz wird in Zukunft dynamischer gestaltet, sei es im Katastrophenfall oder bei der Sozialhilfe. Nach Ereignissen wie im letzten Jahr in Bondo oder im Jahr 2014 im Emmental und Entlebuch richtet sich die Aufmerksamkeit der Glückskette noch stärker auf die Übernahme von Restkosten der Gemeinden, da die Schäden für KMUs und Einzelpersonen zum grössten Teil durch Versicherungen abgedeckt sind. Die Glückskette stellte im Berichtsjahr bei der Sozialhilfe die Einzelfallbetreuung ein und wird sich in Zukunft auf die Unterstützung von vielversprechenden Projekten konzentrieren. Pilotprojekte zur Unterstützung von Jugendlichen in Not haben aufgezeigt, dass diese nicht nur wirksam sind, sondern dass den betroffenen Organisationen dank der Unterstützung der Glückskette auch mehr Anerkennung zuteilwird, ihre Professionalität gesteigert und das Fundraising von Dritten erleichtert wird.

Bei der internationalen Hilfe strebt die Glückskette weiterhin eine Effizienzsteigerung an. Sie lässt sich dabei wie bisher von den Erkenntnissen des humanitären UNO-Gipfels in Istanbul und des dort verabschiedeten «Grand Bargain» leiten, welcher die Geldgeber, wie es die Glückskette ist, auffordert, gegenüber den Hilfswerken flexibler zu sein, einen strategischen statt operationellen Dialog zu führen und ihnen in Krisengebieten längerfristige finanzielle Perspektiven zu bieten. Demgegenüber muss aber die Rechenschaftsablegung an die von Katastrophen betroffenen Bevölkerungen verstärkt und die Einbindung lokaler Akteure klar verbessert werden. Im Laufe des Jahres 2018 wird das ausgearbeitete Konzept im Falle einer Grosskatastrophe erstmals getestet.


Eine neue Austauschplattform zum Thema Innovation verstärkte 2017 das schon bestehende Wissensangebot der Glückskette. Die Glückskette kam damit dem Auftrag des Stiftungsrates nach, den Austausch zwischen den Partnerhilfswerken zu spezifischen Themen mit grossem Mehrwert zu intensivieren. Ein spezieller Innovationsfonds, durch Legate und Sponsoren finanziert, erlaubt es, ab dem kommenden Jahr konkrete innovative Lösungen im logistischen, technischen oder operationellen Bereich zu fördern.

Ein weiteres strategisches Ziel wurde im Bereich der Finanzen erfüllt. Die Glückskette verfügt nun über eine Anlagecharta, welche die beauftragten Finanzinstitute noch stärker verpflichtet, sich an soziale und umweltspezifische Auflagen zu halten.

Ein neuer Internetauftritt prägte die Kommunikation der Glückskette im Berichtsjahr. Parallel dazu veranlasste die Stiftung wie in der Strategie vorgesehen eine Studie, die das Spendenverhalten unter verhaltensökonomischen Aspekten analysierte. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigten auf, dass die Glückskette in ihrer im kommenden Jahr auszuarbeitenden Kommunikationsstrategie verstärkt ihre Identität als Geldgeberin hervorheben muss. Zudem will sie sich noch stärker als humanitärer Arm der SRG positionieren. Die Spenderinnen und Spender sollen darüber hinaus direkter in die Kommunikation eingebunden werden.

Im Fundraising kam die Glückskette dem Wunsch des Stiftungsrates nach, die Sammeltage zu dynamisieren. Dies geschah unter Einbindung von Meinungsführern und durch eine verstärkte Nutzung der sozialen Medien. Der Sammeltag zugunsten der Opfer der Hungersnot in Afrika im April 2017 eignete sich besonders gut, diesen neuen Ansatz zu testen.

3. Sammlungen und Projekte im Ausland


2017 war für die Glückskette ein gutes Sammeljahr mit rund 38 Millionen Franken Spendeneinnahmen. Gleichzeitig lief die Finanzierung von Projekten weltweit und in der Schweiz mit rund 62 Millionen Franken auf Hochtouren. Dies illustriert auf eindrückliche Weise, wie Einnahmen und Ausgaben bei der Glückskette nicht linear verlaufen. Die Einnahmen hängen von der Aktualität ab und variierten in den letzten Jahren zwischen 10 und über 100 Millionen Franken pro Jahr. Die Ausgaben hingegen pendelten sich bei rund 50 Millionen Franken pro Jahr ein.

Die Spenden aus allen drei Sammlungen im Jahr 2017 – Afrika, Rohingya und Bondo in der Schweiz – wurden zur Bewältigung der Nothilfe eingesetzt. Der gesamte Spendenbetrag für Afrika wurde innert wenigen Monaten für Soforthilfe in Somalia, im Südsudan und in Nigeria eingesetzt. Bei der Hilfe für die Rohingyaflüchtlinge hat sich die Glückskette entschieden, die Projekte von einigen wenigen Partnerhilfswerken zu unterstützen, dafür längerfristig und in verschiedenen Phasen. Grundsätzlich engagiert sich die Glückskette, um die Projekte ihrer Partnerhilfswerke auch im Rahmen von lang andauernden Krisen wie jener der Rohingya langfristig finanzieren zu können.

In Bondo lief die Hilfe pragmatisch und in engster Zusammenarbeit mit der Gemeindebehörde ab. Der Hauptanteil der Spenden wird zur Abdeckung der Restkosten der Gemeinde eingesetzt. Deren Höhe ist aber frühestens 2018 bekannt.

Dies zeigt auf, dass die Spenden nicht nach dem Giesskannenprinzip an Partnerhilfswerke oder die betroffene Bevölkerung ausgeschüttet werden, sondern dass die Glückskette in Zusammenarbeit mit ihren Partnern jeweils die effizientesten und nachhaltigsten Lösungen sucht. Schnell ist auch in der humanitären Hilfe nicht nur immer gut.


Ohne die Unterstützung der SRG wären die guten Sammelergebnisse nicht möglich gewesen. Der Sammeltag zugunsten der Opfer der Hungersnot in Afrika zeigte einmal mehr die Kraft des Mediums Fernsehen und was ausgezeichnete Reportagen bewirken können. Nach der Ausstrahlung eines Berichtes aus Somalia in den Hauptausgaben der Tagessschau auf SRF, RTS und RSI klingelten die Spendentelefone in allen Sammelzentralen ununterbrochen bis Mitternacht. Das professionelle Engagement von Journalistinnen und Journalisten der SRG in Bangladesch machte die Sammlung zugunsten der Rohingya erst möglich.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1946 arbeitet die Glückskette mit Schweizer Partnerhilfswerken zusammen und finanziert deren Projekte in Krisenregionen. Diese sind gut etabliert, erfahren in der humanitären Hilfe und vor Ort gut vernetzt.

Im Jahr 2017 bewilligte die Glückskette im Rahmen ihrer internationalen Hilfe 102 Projekte für rund 50 Millionen Franken. In verschiedenen Projektregionen, wo die Glückskette ihre Hilfe langfristig angelegt hat, neigten sich die Aktivitäten der Partnerhilfswerke dem Ende zu, so etwa in den Philippinen, in Haiti und in Pakistan. Auch die Nothilfefonds für Afrika und für Flüchtlinge wurden voll ausgeschöpft.

3.1 Haiti


Haiti blieb 2017 weitgehend von den gewaltigen Wirbelstürmen in der Karibik verschont. Einzig Irma tangierte die Insel am nördlichsten Zipfel. Die Glückskette stellte dabei zwei Partnerhilfswerken 375’739 Franken zur Nothilfe für betroffene Familien zur Verfügung. Diese Mittel wurden mit Einverständnis des Stiftungsratsausschusses aus dem Fonds Wirbelsturm Matthew entnommen.

Für die Opfer von Matthew selber finanzierte die Glückskette 2017 insgesamt 10 Projekte von 7 Partnern in der Gesamthöhe von 5’767’873 Franken. Durch diese Aktivitäten erhielten mehrere zehntausend Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Material für die Reparatur der Häuser und Saatgut.

Auch 7 Jahre nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 liefen Ende 2017 noch 5 Projekte zugunsten der Opfer. Die Hilfswerke befanden sich dabei in der Konsolidierungsphase, in der die Kapazitäten der lokalen Strukturen gestärkt sowie Massnahmen zur Risikominderung bei erneuten Katastrophen ergriffen wurden. Neue Projekte wurden aber seit Mitte des Jahres keine mehr angenommen. Der Projektverantwortliche der Glückskette setzte sich mit einem Besuch auf dem Inselstaat über den Fortschritt der Arbeiten ins Bild.

Spenden total Erdbeben Haiti

66'241'179 CHF

per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 62'659’092 CHF

Spenden total Wirbelsturm Matthew

7'936’735 CHF
per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 5'985’188 CHF, davon 375’739 CHF für Irma

Hilfswerke

ADRA, Caritas Schweiz, DEZA, EIRENE, Enfants du Monde, Fastenopfer, Grupo Sofonias, Handicap International, Heilsarmee, HEKS, Helvetas, Hôpital Albert Schweitzer, IAMANEH, Main dans la Main, Medair, Médecins du Monde, MSF / Ärzte ohne Grenzen Schweiz, Nouvelle Planète, RET – Fondation pour l'éducation des Réfugiés, Schweizerisches Rotes Kreuz, Terre des hommes – Kinderhilfe, terre des hommes schweiz

3.2 Überschwemmungen Südasien


Obwohl weite Teile Nepals, Indiens und Bangladeschs im Spätsommer 2017 von Rekordfluten heimgesucht wurden, führte die Glückskette keine spezifische Sammlung für die Opfer der Überschwemmungen durch. Die Medien richteten zu dem Zeitpunkt ihre Aufmerksamkeit auf den Wirbelsturm Harvey, der in Texas wütete, und auf den Bergsturz in Bondo. Ohne Medienaufmerksamkeit macht eine Sammlung wenig Sinn.

Aufgrund des Ausmasses der Zerstörungen, des Leides, und der Bereitschaft ihrer Partner zu helfen, hat die Glückskette für diese Katastrophen erstmals den neu geschaffenen Nothilfefonds aktiviert. Eine Million Franken wurde für neun Projekte in Nepal, Indien und Bangladesch eingesetzt.

Stand Nothilfefonds per 31.12.2017

2'622'067 CHF

Per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 1'121'610 CHF

Hilfswerke

Caritas Schweiz, Enfants du Monde, Handicap International, HEKS, Helvetas, Save the Children Schweiz, Schweizerisches Rotes Kreuz, Terre des hommes – Kinderhilfe

3.3 Nepal


Nach längeren Anlaufschwierigkeiten direkt nach dem verheerenden Erdbeben im April 2015 sowie im darauffolgenden Jahr lief die Hilfe in Nepal im Berichtsjahr auf Hochtouren. Die Partnerhilfswerke der Glückskette halfen in engster Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen, 9 Schulen und 1’760 Häuser sowie 2 medizinische Zentren aufzubauen. Dabei stand insbesondere die Ausbildung von Handwerkern, zum Beispiel von Maurern und Schreinern, im Fokus.

Eine Studie über die Einbindung der betroffenen Bevölkerung in die Arbeit der Hilfswerke wie auch über die Rechenschaftsablegung gegenüber den Begünstigten zeigte auf, dass diesen Anliegen in der humanitären Hilfe mittlerweile eine weit grössere Aufmerksamkeit geschenkt wird als in früheren Jahren. Verbesserungsmöglichkeiten wurden direkt mit den betroffenen Hilfswerken vor Ort und in der Schweiz diskutiert.

Der Wiederaufbau in Nepal zeichnete sich auch dadurch aus, dass die Glückskette drei Bauprojekte von nicht-akkreditierten Organisationen unterstützen konnte: Singla-Nepal, Luklass Chaurikharka und Kam for Sud. Die Stiftung arbeitet also nicht einzig und allein mit ihren akkreditierten Partnerhilfswerken zusammen, sondern gewährt auch Ausnahmen und unterstützt die Arbeit von lokalen Organisationen. Diese nicht-akkreditierten Hilfswerke müssen jedoch dieselben strengen Standards einhalten wie die Partnerhilfswerke der Glückskette.

Spenden total Erdbeben Nepal

32'338'932 CHF

per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 28'241’094 CHF

Hilfswerke

ADRA, Auslandschweizer-Organisation (ASO), Caritas Schweiz, CBM Christoffel Blindenmission, Handicap International, Helvetas, Kam for Sud, Lepra Mission, Luklass Chaurikharka, Medair, NORLHA, Save the Children Schweiz, Schweizerisches Rotes Kreuz, Shanti Med Nepal, Singla-Nepal, Solidar Suisse, Swisscontact, Terre des hommes – Kinderhilfe

3.4 Flüchtlinge und intern Vertriebene von Syrien bis Afrika


Die Flüchtlingsthematik stand auch 2017 im Zentrum der Medien und der Weltöffentlichkeit und zeigte auf, wie ausweglos die Situation für tausende von Menschen ist, gerade auch für Flüchtlinge, die im Norden Afrikas gestrandet sind und zum Teil in kriminelle Hände fallen. Die Glückskette lancierte jedoch keinen weiteren Spendenaufruf. Aufgrund der Aktualität gingen dennoch spontane Spenden in der Höhe von einigen hunderttausend Franken ein.

Die im Rahmen des Sammeltages Ende September 2015 gesammelten 27 Millionen Franken reichten aus, um in verschiedenen Krisengebieten wie im Libanon, in Jordanien, im Irak aber auch in Griechenland und auf dem Balkan die Hilfe fortzusetzen. Die Glückskette unterstützte dabei zunehmend diejenigen Hilfswerke, welche die Widerstandskraft der Flüchtlinge zu stärken versuchten, unter anderem durch eigenständige Arbeit mit Einkommen.

Mehrere Partnerhilfswerke haben sich in der Zwischenzeit in Syrien etabliert. Die eingereichten Projekte werden vor allem auf die Einhaltung der humanitären Prinzipien wie Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit geprüft. Der Spielraum für Hilfswerke hat sich zwar nicht entscheidend verbessert, doch schafften es die Schweizer NGOs, geeignete Partner zur Durchführung von Hilfs-, Wasser- und Nahrungsmittelprojekten zu finden.

Die Situation in Afrika, insbesondere im Südsudan und rund um den Tschadsee, hat sich im Jahr 2017 verschärft. So befinden sich mittlerweile über eine Million Flüchtlinge in Uganda, wo die Regierung mit Hilfe internationaler Hilfswerke grosse Anstrengung unternimmt, diese willkommen zu heissen. Aus den bestehenden Afrikafonds konnten insgesamt zwei Projekte finanziert werden.


Spenden total Flüchtlinge

28'661'698 CHF

per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 25'745’334 CHF

Spenden total Syrien

26'400'401 CHF
per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 25'200’106 CHF

Hilfswerke

ADRA, Caritas Schweiz, Handicap International, HEKS, Medair, Médecins du Monde, MSF / Ärzte ohne Grenzen Schweiz, Save the Children Schweiz, Schweizerisches Rotes Kreuz, Solidar Suisse, SOS Kinderdorf, Terre des hommes – Kinderhilfe

3.5 Ostafrika


Was sich schon 2016 mit «El Niño» abzeichnete, traf 2017 endgültig ein: In Somalia, im Südsudan und in Nigeria drohte wie von der UNO deklariert eine der grössten Hungerkatastrophen der letzten Jahrzehnte. Die Auswirkungen der Dürre wurden in allen drei Ländern teilweise durch kriegerische Auseinandersetzungen verschärft. Besonders im Südsudan blieb den Menschen kein anderer Ausweg als die Flucht ins Nachbarland Uganda. Aus Nigeria flüchteten tausende Menschen nach Kamerun oder Niger.

Die Glückskette organisierte im Einklang mit der SRG einen Sammeltag im April und einen zusätzlichen Aufruf im Herbst, was bis Ende Jahr rund 20 Millionen Franken Spenden einbrachte. Drei Partnerhilfswerke reagierten sehr schnell und konnten dank bestehender Strukturen vor Ort ihre Nothilfe umgehend intensivieren. Andere warteten auf die Zusicherung einer längerfristigen Finanzierung und lancierten ihre Projekte im Laufe des Sommers.

Der Einsatz der Hilfswerke konzentrierte sich in den drei Krisenregionen auf sofortige Nahrungsmittelhilfe – Spezialnahrung für Kinder und Bargeldhilfe für Familien, die sich damit das Nötigste auf dem lokalen Markt beschaffen konnten. Der Zugang zu trinkbarem Wasser war eine zusätzliche Herausforderung. Ein Projekt unterstützte die Bauern beim Erhalt des noch übrig gebliebenen Viehbestandes. Dank dem Einsatz von elf Hilfswerken konnte über eine halbe Million Menschen mit Nothilfe versorgt werden. Die Glückskette unterstützte dabei auch erstmals seit längerer Zeit das IKRK bei seinen Aktivitäten in Nigeria.

Spenden total Hungersnot in Afrika 2017

19'142’807 CHF

Per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 18'280’321 CHF

Spenden total Klimakatastrophe Afrika 2016

1'967'421 CHF
per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 1'880'148 CHF

Hilfswerke

ADRA, Caritas Schweiz, CBM Christoffel Blindenmission, Handicap International, HEKS, IKRK, Medair, MSF / Ärzte ohne Grenzen Schweiz, Schweizerisches Rotes Kreuz, Solidar Suisse, Terre des hommes – Kinderhilfe

3.6 Philippinen


Auf den Philippinen liefen im Berichtjahr noch Grossprojekte, welche nach dem Taifun Haiyan von 2013 auf mehrere Jahre konzipiert waren, so etwa Bauprojekte von Caritas Schweiz und dem Schweizerischen Roten Kreuz sowie Landwirtschaftsprojekte von Helvetas und dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen HEKS.

Die beiden Bauprojekte erlaubten es, mehrere hundert Häuser sturm- und erdbebensicher wiederaufzubauen. Ein Landwirtschaftsprojekt wird erst 2018 abgeschlossen, da es mehr Zeit in Anspruch nimmt, die Wertschöpfungskette vom Anbau bis zum Absatz gezielt zu unterstützen und das Netzwerk zur Unterstützung der Bauern effizient aufzubauen.

Es wird auf den Philippinen dementsprechend rund fünf Jahre dauern, bis alle Spendengelder verwendet sein werden. Dies zeigt auf, dass die Glückskette sich bemüht, den Spagat zwischen dringend benötigter Nothilfe und nachhaltigem Wiederaufbau zu machen. Auf den Philippinen wurde dieser Ansatz wie zuvor schon in Haiti und Pakistan von den Behörden und der betroffenen Bevölkerung geschätzt.

Insgesamt belief sich die Hilfe auf den Philippinen auf 11’678 reparierte und wiederaufgebaute Häuser, 8 Schulen und 6 Landwirtschaftsprojekte.

Spenden total Taifun Haiyan

42'384'595 CHF

per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 37'412’196 CHF

Hilfswerke

AAFIP, ADRA, Architectes de l’Urgence, Auslandschweizer-Organisation (ASO), Caritas Schweiz, Handicap International, Heilsarmee, HEKS, Helvetas, Medair, Schweizerisches Rotes Kreuz, Solidar Suisse, Terre des hommes – Kinderhilfe

3.7 «Jeder Rappen zählt» 2015 und 2016


Die Spenden, welche bei der Aktion «Jeder Rappen zählt» zusammenkommen, fliessen bei der Glückskette wie üblich in Projekte der Partnerorganisationen. Da es sich häufig um thematische Sammlungen handelt, werden nicht ausschliesslich humanitäre Projekte, sondern auch Projekte im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit unterstützt.

Sowohl die Ausarbeitung solcher Projekte, als auch die Analyse durch die Projektkommission und die Expertinnen und Experten nimmt häufig mehr Zeit in Anspruch, weshalb es länger dauern kann, bis der gesamte Spendenbetrag eingesetzt ist.

Aus der Sammlung 2015 für Jugendliche in Not wurden im Berichtsjahr vier Projekte in Kolumbien, Irak, Palästina und den Philippinen finanziert und frühere in Kolumbien, Nicaragua, El Salvador und den besetzten Gebieten Palästinas unterstützte Projekte weitergeführt. In erster Linie kamen Projekte in den Bereichen Bildung und Ausbildung zum Zug. Dank dieser Sammlung konnte die Glückskette auch diejenigen Partnerhilfswerke unterstützen, die selten humanitäre Hilfsprojekte durchführen.

«Kinder allein auf der Flucht» hiess das Spendenthema bei «Jeder Rappen zählt» 2016. Dies betraf in erster Linie Kinder und Jugendliche, die auf der Flucht aus dem Kriegsgebiet Syrien, aber auch aus dem Irak oder Afghanistan sowie innerhalb von Afrika auf sich allein gestellt sind. Die beiden grossen Kinderhilfsorganisationen Save the Children Schweiz und Stiftung Terre des hommes – Kinderhilfe, reichten mehrere Projekte ein. Die Glückskette finanzierte schliesslich ein Rettungsprojekt im Mittelmeer sowie Ausbildungsprojekte in Griechenland und Serbien. Diese Projekte kommen auch häufig Jugendlichen aus den Aufnahmeländern zugute, um auch die Integration zu fördern.

Spenden total Jugendliche in Not (2015)

4'387'786 CHF

per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 4'224’446 CHF
(davon 50 Prozent im Ausland)

Spenden total Kinder allein auf der Flucht (2016)

6'717’170 CHF
per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 4'354’742 CHF
(davon 50 Prozent im Ausland)


3.8 Die Kinderhilfe der Glückskette weltweit


Seit dem Beginn der Glückskette vor 70 Jahren hat sich der Zweck der Glückskette nie geändert. Neben der Hilfe im Katastrophenfall wollten sich die Gründungsväter vor allem auch für Kinder in Not einsetzen.

Diese statutarische Pflicht erfüllt die Glückskette gleich dreifach. Neben einem spezifischen Fonds für Kinderhilfe stehen die Kinder häufig auch bei den thematischen Sammlungen wie bei «Jeder Rappen zählt» (siehe Kapitel 3.7) im Zentrum und schliesslich werden bei Katastrophensammlungen mehrheitlich ganz spezifische Kinderprojekte in Krisensituationen unterstützt.

Kinderprojekte in Krisensituationen

Nach einer Naturkatastrophe, in Kriegsländern oder bei Flüchtlingskrisen sind Kinder die verwundbarsten aller Betroffenen. Sie stehen dementsprechend bei den Projekten der Partnerhilfswerke der Glückskette stets im Mittelpunkt. Die Schweizer Hilfswerke decken gemeinsam viele Bereiche der Kinderhilfe ab:

  • Terre des hommes – Kinderhilfe und Save the Children Schweiz sind auch in Katastrophensituationen auf Kinderhilfe, besonders Kinderschutz und psychologische Unterstützung, spezialisiert.
  • Handicap International ist auf die Behandlung und Betreuung von Menschen mit Behinderung spezialisiert, konzentriert sich in diesen Situationen häufig auch ganz auf das Schicksal der Jüngsten.
  • Médecins du Monde und Medair können in den betroffenen Katastrophenländern häufig auch ihre Kapazitäten im prä- und postnatalen Bereich einbringen.
  • Caritas gibt den Kindern dank ihren Schul- und Bildungsprojekten eine Perspektive.
  • Das Schweizerische Rote Kreuz integriert im Rahmen der Gesamtprogramme aller Rotkreuzgesellschaften die Anliegen der Kinder in ihre Programme.
  • Solidar Suisse stellt sich häufig der Herausforderung der Kinderarbeit in Krisensituationen.

Durchschnittlich wurden bei den letzten Sammlungen jeweils zwischen 15 und 25 Prozent der Spenden spezifisch für Kinderprojekte eingesetzt, so auch 2017.


Fonds Kinderhilfe (CHILD)

Im Jahr 2016 wandte die Glückskette die im Vorjahr etablierten Selektionskriterien für den Fonds Kinderhilfe sehr streng an. Zur Erinnerung: Die Projekte müssen sich den Bereichen Gesundheit, Bildung oder Kinderschutz widmen. Um die Kompetenzen der Partnerhilfswerke klar abzustecken, werden die Projekte auf die Zielgruppe mit Kindern bis zu 14 Jahren beschränkt. Zudem müssen die Projekte in Ländern durchgeführt werden, die sich im letzten Drittel des weltweiten Entwicklungsindex befinden. Gerade letzteres Kriterium konzentriert die Hilfe dort, wo sie am nötigsten ist.

Insgesamt wurden von der Projektkommission, in der auch eine Spezialistin für Kinderhilfe sass, 11 Projekte in 6 verschiedenen Ländern akzeptiert: Afghanistan, Burkina Faso, Guatemala, Lesotho, Mali und Pakistan.

Auch bei der Glückskette zeigt sich der Trend, dass sich die Hilfswerke vermehrt auf Bildungsprojekte konzentrieren. Aus diesem Grund hat sich die Glückskette gemeinsam mit SRF dazu entschieden, «Jeder Rappen zählt» 2017 dem Thema Schul- und Berufsbildung von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz und im Ausland zu widmen.

Neben der Bildung unterstützte die Glückskette auch Kinderschutzprojekte im Kampf gegen Kinderarbeit oder andere Arten der Ausbeutung wie etwa die Prostitution.

Der Kinderhilfsfonds CHILD wird durch Legate und andere nicht zweckgebundene Spenden finanziert. Ein spezieller privater humanitärer Fonds (VOGT) erlaubt es, nach denselben Kriterien Kinderhilfsprojekte zu finanzieren.

Thematische Sammlungen

Fünf der bisherigen Auflagen von «Jeder Rappen zählt» widmeten sich den Problemen der Kinder weltweit: Kinder als Opfer von Kriegen (2010), Kinder in Slums (2013), Familien auf der Flucht (2014), Jugendliche in Not (2015) und Kinder allein auf der Flucht (2016). Alle diese Sammlungen zusammen erlaubten es, über 30 Millionen Franken zu sammeln und damit bisher rund 100 Projekte durchzuführen.

Spenden total Kinderhilfe

6’923’341 CHF
CHILD: 2’858’586 CHF VOGT: 4’064’755 CHF

per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: CHILD inkl. Vogt: 4'196’781 CHF (16 Projekte)

Hilfswerke

Enfants du Monde, IAMANEH, Medair, SolidarMed, Solidar Suisse, terre des hommes schweiz

Einsatzländer 2017

Afghanistan, Burkina Faso, Guatemala, Lesotho, Mali, Pakistan

4. Hilfe Schweiz


Das Jahr 2017 stand bei der Glückskette wiederum ganz im Zeichen der Hilfe in der Schweiz.

Der Bergsturz am Piz Cengalo im Bondascatal, welcher das bündnerische Dorf Bondo mit voller Wucht traf, veranlasste die Stiftung zum ersten Mal seit 2005, eine spezifische Sammlung für eine Naturkatastrophe in der Schweiz zu lancieren. Die Schweizerinnen und Schweizer zeigten sich dabei äusserst solidarisch mit den Opfern der Katastrophe.

Die Sozialhilfe der Glückskette verzeichnete 2017 einen letzten Ansturm. Die Einzelfallhilfe wurde auf Ende Jahr eingestellt.

Anstelle der Einzelfallhilfe entfaltete sich im Berichtsjahr, wie vom Stiftungsrat in seiner neuen Strategie angeregt, die Unterstützung von Projekten, allen voran Projekte zugunsten von «Jugendlichen in Not» und «Unbegleiteten Minderjährigen».

Einen weiteren Höhepunkt erreichte der Elan der Glückskette für die Hilfe in der Schweiz im Dezember, als in Lausanne (RTS / «Coeur à Coeur»), Locarno (RSI / «Ogni centesimo conta») und Luzern (SRF / «Jeder Rappen zählt») erstmals gesamtschweizerisch für ein gemeinsames Anliegen («Bildung – eine Chance für Kinder in Not») gesammelt wurde. Die Hälfte der gesammelten Gelder kommt Projekten in der Schweiz zugute.

4.1 Unwetter Schweiz


Am 24. August 2017 überschütteten mehrere Murgänge, verursacht durch einen Bergsturz am Piz Cengalo, Teile des Dorfes Bondo. Acht Wanderer kamen im Bondascatal ums Leben. Der erste Murgang füllte das bereitgestellte Auffangbecken und überschüttete mehrere anliegende Häuser, eine Schreinerei und ein Transportunternehmen. Weitere Murgänge trafen dann auch andere Dorfteile, unter anderem Spino, Promontogno und Sottoponte. Die Schäden an Strassen, Wasserversorgung und weiteren Infrastrukturbauten waren gross. Indirekt war auch die Hotellerie in der näheren Umgebung betroffen.

Eine Delegation der Glückskette begab sich innert Wochenfrist ins Bergell und entschied nach Begutachtung des Ausmasses der Schäden, eine nationale Sammelaktion zu lancieren, die bis Ende Jahr mehr als 5,9 Millionen Franken einbrachte. Rasch und unbürokratisch konnte in den ersten Wochen nach dem Bergsturz Soforthilfe für betroffene Familien aus den Gefahrenzonen geleistet werden. Viele dieser Familien konnten während Wochen nicht in ihre Häuser zurückkehren, wodurch bedeutende Mehrkosten entstanden. 55 Haushalte erhielten insgesamt 164’000 Franken. In einer zweiten Phase konnten Familien und Kleinunternehmen Anträge für eine Überbrückungshilfe einreichen. Es handelte sich hier um Fälle, die während Wochen oder Monaten an Nachfolgekosten oder Einkommensausfällen zu leiden hatten. In einer letzten Phase dienen die Spenden zur Abdeckung von Restkosten, sei es an Häusern von Einzelpersonen/Familien oder an Gebäuden von KMUs, aber vor allem zur Abdeckung der Restkosten der Gemeinde, die sich mit Sicherheit auf mehrere Millionen Franken belaufen werden. Es wird allerdings ein bis zwei Jahre dauern, bis die genauen Restkosten feststehen.


Die Glückskette beauftragte für die Analyse und Abwicklung der Einzelfälle und der Restkosten Caritas Schweiz, die für die Glückskette auch in der eigens eingerichteten Spendenkommission Einsitz nimmt. Caritas Schweiz in der Ost-, Zentralschweiz und im Tessin sowie das Schweizerische Rote Kreuz für Bern, die Westschweiz und das Wallis haben einen Mandatsvertrag mit der Glückskette, der die Zusammenarbeit im Naturkatastrophenfall genau regelt. Dieser Mandatsvertrag wird neu auch mit rund 19’000 Franken pro Jahr pauschal entschädigt. Hinzu kommen im Ereignisfall je nach Umfang der Katastrophen bis zu 10% der unterbreiteten Fallsumme zur Deckung von Administrationskosten hinzu.

Neben Bondo konnten auch zwei Gemeinden des Emmentals und des Entlebuchs, welche im Jahr 2014 von Unwettern heimgesucht wurden, auf Spendengelder zur Abdeckung von Restkosten zählen. Zusätzlich profitierten auch mehrere Strassen- und Wasserkörperschaften sowie Privatpersonen, die von Unwettern in den Jahren 2013, 2015 und 2016 betroffen waren, mit über einer Million Franken vom permanenten Unwetterfonds Schweiz.

Fonds Unwetter Schweiz

2017 eingesetzt und bereitgestellt: 1'064'164 CHF

Fonds Bergsturz Bondo

5'893’621 CHF
per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 164’000 CHF

Begünstigte 2017

3’284 Personen

.

Hilfsbeiträge 2017

1'474'276 CHF

4.2 Sozialhilfe Schweiz


Seit ihrem Ursprung unterstützt die Glückskette im Rahmen der Sozialhilfe Einzelpersonen und Familien, die sich in einer Notlage befinden, mit einem Notbatzen. Durch diesen einmaligen Betrag von 900 bis maximal 2’600 Franken unterstützt die Stiftung Menschen, die Transport-, Wohnungs- oder Gesundheitskosten nicht bezahlen können. Im Jahr 2017 konnte insgesamt 3’284 Menschen mit einem Gesamtbetrag von 1’474’276 Franken geholfen werden.

Im Rahmen der Strategie 2017 – 2020 hat der Stiftungsrat entschieden, die Einzelfallhilfe einzustellen. Im Februar 2018 wurden die letzten Spendengelder ausbezahlt. Die Gründe für diesen Strategiewechsel sind vielfältig. Der Notbatzen entsprach nur noch in wenigen Fällen einer echten und nachhaltigen Erleichterung für die Betroffenen, welche damit eine punktuelle und zeitlich limitierte Finanzlücke stopfen konnten. Die Wirkung war auch dadurch beeinträchtigt, dass der Notbatzen nur einmal für dieselbe Person oder Familie gesprochen werden konnte. Hinzu kam der Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik. Bisher wendete die Glückskette das Prinzip der Subsidiarität an, das heisst, dass die in Bedrängnis geratenen Personen zuerst vom Staat unterstützt werden, bevor die Stiftung als private Organisation aktiv wird. Heute scheint es tendenziell genau umgekehrt zu sein. Der Staat setzt vermehrt auf private Initiativen, bevor er sich selber um die Notfälle kümmert.

4.3 Projekte für Jugendliche in Not und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge


Nachdem die Pilotphase mit der Unterstützung von Projekten für Jugendliche in Not im Jahr 2016 sehr erfolgreich verlaufen war, institutionalisierte die Glückskette diese Projekthilfe im Jahr 2017. Eine eigens dafür eingesetzte Kommission analysierte im Berichtsjahr 15 Projektanträge zum Thema «Jugendliche in Not» und 36 Anträge zum Thema «Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge». Insgesamt wurden 37 Organisationen / Vereine mit 3’033’156 Franken unterstützt.

Die neu aufgenommene Thematik der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in der Schweiz erlaubte es, den Einblick in diese Problematik zu vertiefen. Die zahlreichen Projekteingaben zeigten, dass die öffentliche Hand nur wenig Mittel einsetzt, um den Jugendlichen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, Eritrea oder aus Nordafrika bei der Integration und in ihrer Ausbildung zu helfen. Viele Privatinitiativen leisten daher eine äusserst wertvolle Arbeit.

Anlässlich eines Treffens im Mai mit den unterstützten Organisationen aus der Westschweiz und dem Tessin in Lausanne kristallisierte sich heraus, dass die Unterstützung der Glückskette nicht nur aus finanzieller Sicht für diese Vereine und Organisationen wichtig ist. Auch die Anerkennung der Glückskette, die anspruchsvollen Projekteingaben, der Austausch unter den Organisationen und die grössere Aufmerksamkeit, welche die Thematik erhielt, half den betroffenen Vereinen in verschiedenen Bereichen, vor allem auch bei der Spendensuche, insbesondere gegenüber der
öffentlichen Hand.


Spenden total für «Jugendliche in Not»

2'146’000 CHF

per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 2'136’092 CHF

Spenden total für «unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Schweiz»

3'438’512 CHF
per 31.12.17 eingesetzt und bereitgestellt: 2'493’127 CHF
Begünstigte total: 3’559

Organisationen

Accroche, Alp Grauholz, Association Astural, Association Pacifique, Association ParMi, Association REPER, Ateliers Phénix, Caritas Genève, Caritas Luzern, Caritas Schweiz, Caritas Zürich, Croce Rossa Ticino Sezione Sottoceneri, Démarche Société Coopérative, En route pour Apprendre (ERPA), Fondation Gad Stiftung, Fondazione Il Gabbiano, Fürzüg Art & Design, La Sorcière affairée, NCBI Schweiz, Offene Kirche Elisabethen, OSEO Valais, SAH Zürich, Schule St. Catharina, Solidarité Eglises Migration Vaud, Solidaritätsnetz Bern, SOS Ticino, SRK Aargau, SRK Basel, SRK Schaffhausen, SRK Schweiz, SRK Solothurn, Stiftung Dreipunkt, Stiftung Futuri, Stiftung Job Training der Jobfactory, Stiftung Jugendsozialwerk Blaues Kreuz, Stiftung Lebenshilfe, Stiftung Pluspunkt, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV), Verein Family Help, Verein Flüchtlinge Malen, Verein IG offenes Davos, Verein KUMA, Verein Lernwerk, Verein Netzwerk Asyl Aargau, Verein Start Again, Verein Tipiti, Vert.igo, Zentrum Bäregg

4.4 «Cala Sannitica»


«Cala Sannitica» ist ein Spezialfonds zugunsten von Kindern in der Schweiz, gespiesen aus Beiträgen eines Grossspenders. Er ergänzte die bisherige Einzelfallhilfe der Glückskette. Im Jahr 2017 wurden 186 Kinder durch einen Beitrag an Musik- und Kunstkurse, Sportunterricht, Freizeit- und Ferienaktivitäten, oder in Form schulischer Hilfe unterstützt. In der Regel belaufen sich die vom Fonds «Cala Sannitica» gesprochenen Beiträge auf 600 Franken pro Kind, oder maximal 1’500 Franken pro Familie.

Auch «Cala Sannitica» konzentriert sich in der Zukunft auf die Unterstützung von Projekten wie das Projekt der Walliser Organisation Vacances Familiales, welches es alleinstehenden Müttern und ihren Kindern erlaubt, während einer Woche in der Natur und in einem stimulierenden Umfeld Selbstvertrauen zu gewinnen und Energie zu tanken. Sie lernen dabei auch, wie sie mit ganz bestimmten schwierigen Situationen umgehen können.

Spenden total «Cala Sannitica»

851'053 CHF

.

Unterstützte Kinder 2017

186

Eingesetzter Betrag 2017

125'572 CHF

5. Kennzahlen 2017

6. Unser Qualitätsmanagement


Die Glückskette ist sich ihrer Verantwortung bewusst, dass sie gegenüber den Spenderinnen und Spendern und auch den von Katastrophen betroffenen Bevölkerungen gewissenhaft Rechenschaft über den Einsatz der gespendeten Gelder ablegen muss. Dabei hilft ihr ein solides Qualitätsmanagement.

Dieses Qualitätssystem ist auf vier Pfeilern gebaut: Akkreditierung der Hilfswerke, Validierung der Projekte, Projektbesuche und Evaluationen vor Ort

Akkreditierung der Hilfswerke

Derzeit sind 25 Schweizer Hilfswerke bei der Glückskette für die internationale Hilfe akkreditiert. Im Rahmen der neuen Strategie wird der Akkreditierungsprozess in den kommenden Jahren hinterfragt. Die Glückskette zeigte auch im Berichtsjahr grosse Flexibilität und unterstützte mehrere nichtakkreditierte Organisationen wie etwa das IKRK, Vétérinaires sans Frontières oder die Fondation Hirondelle. Für die Schweiz werden die Partnerorganisationen nicht akkreditiert. Sie müssen bei der Projekteingabe auch über institutionelle Belange Auskunft geben, anhand derer dann ein Entscheid gefällt wird. Gegen 50 Organisationen/Vereine werden derzeit in der Schweiz unterstützt. Damit steht die Glückskette heute auf weit festerem Fundament als vor einigen Jahren, als man ihr ein Kartellverhalten vorwarf.

Validierung der Projekte

Eine Akkreditierung für die internationale Hilfe garantiert den Partnern aber noch nicht die Finanzierung ihrer Projekte. Sie müssen dazu detaillierte Projektanträge einreichen, mit einem Beschrieb der vorgesehenen Arbeiten, deren Wirkung vor Ort, einem Budget, einer Risikoanalyse und auch technischen Details. Die Projektanträge werden von spezialisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Glückskette überprüft und bilden die Grundlage für die fundierte Analyse in der Projektkommission, welche im Jahr 2017 in 7 Sitzungen über 61 Projekte beriet.


Projektbesuche und Evaluationen vor Ort

Auch im Berichtsjahr führte die Glückskette zahlreiche Projektbesuche und Evaluationen in den Katastrophenländern durch. Projektbesuche werden in der Regel von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Glückskette in Begleitung der Expertinnen und Experten der Projektkommission durchgeführt. Sie erlauben, technische Details zu kontrollieren und mit den Partnerorganisationen offene Fragen zu diskutieren. 2017 wurden Projekte zweimal in Nepal und je einmal im Irak, in Uganda und auf Haiti besucht.

Die Evaluationen werden immer öffentlich ausgeschrieben, damit sich auch internationale Expertenteams bewerben können. Sie dienen dazu, eine unabhängige Einschätzung der Projekte und der Partnerorganisationen, vor allem derer lokalen Partner, zu erhalten. Die Evaluationen werden nach den üblichen internationalen Standards durchgeführt und mit den Partnerorganisationen koordiniert. Sie können auch dazu dienen, den Wissensaustausch unter den evaluierten Organisationen zu fördern. Evaluationen wurden im letzten Jahr in Nepal und in Haiti durchgeführt.

In Haiti ging es darum, die Sofortmassnahmen nach dem Wirbelsturm Matthew noch während der laufenden Projektzeit (real time evaluation) zu evaluieren. Die Resultate und Verbesserungsmöglichkeiten wurden mit den betroffenen Partnerorganisationen im Detail diskutiert. In Nepal untersuchte ein international zusammengesetztes Evaluationsteam die Einbindung in das Projekt und in die Kommunikation von und mit der betroffenen Bevölkerung. Als Grundlage dienten dazu die Core Humanitarian Standards, welche in der humanitären Hilfe immer mehr zum Massstab werden. Verbesserungspotential besteht vor allem darin, die Rechenschaftsablegung gegenüber den Begünstigten in die Projektaktivitäten zu integrieren.

Die Glückskette nahm auch regelmässig an Workshops teil, die von der DEZA oder Hilfswerken organisiert wurden, so etwa zu den Themen Wasser und Bau.

7. Kommunikation und Fundraising


Die neue Strategie der Stiftung soll es in Zukunft erlauben, noch näher und zeitgerechter bei den Spenderinnen und Spendern zu sein. Dazu gehören auch diverse digitale Kommunikationskanäle und die sozialen Medien, die eine zentrale Rolle spielen.

Parallel dazu unterzieht sich auch die SRG als Trägerin der Glückskette einem grossen Wandel. Der Medienkonsum hat sich vor allem bei den Jugendlichen stark verändert. Fernseh- und Radiobeiträge werden zeitversetzt und auf mobilen Geräten konsumiert. Auch wählen die Konsumentinnen und Konsumenten von morgen nur mehr das, was sie ganz spezifisch interessiert. Dies hat einen grossen Einfluss auf die legendären Sammeltage der Glückskette und andere Formen der Spendenaufrufe, welche die SRG vermehrt digital verbreiten will.

Allen Anpassungen zum Trotz gilt aber in der Kommunikation und im Fundraising auch die Devise, das Kind nicht mit dem Bad auszuschütten. So ist der Kontakt zu allen Medien weiterhin zentral und Sammelaktionen wie «Jeder Rappen zählt», «Coeur à Coeur» und «Ogni centesimo conta» sind essenziell.

7.1 Neue Website


Die Glückskette lancierte im Berichtsjahr ihre neue Website. Ganz im Sinne der Strategie «Näher bei den Spenderinnen und Spendern» werden diese direkter angesprochen und mit aktuelleren Informationen bedient. Statistiken zeigen auf, dass die Website hauptsächlich zum Spenden benutzt wird.

Die neue Website passt sich auch allen mobilen Endgeräten wie Mobiltelefonen und Tablets an (responsive design).

Mit der neuen Website wurde zudem der E-Newsletter modernisiert. Er erlaubt es, die Spenderinnen und Spender viermal jährlich und im Katastrophenfall eingehend über die Sammlungen, Projekte und das Funktionieren der Glückskette zu informieren.

7.2 Medienarbeit


Bei ihrer Medienarbeit legte die Glückskette im Jahr 2017 den Akzent auf die Sammelaktionen für Afrika, die Flüchtlingsströme weltweit und das Schicksal der Rohingya in Myanmar und Bangladesch.

Gemeinsam mit Partnerhilfswerken, ohne deren Unterstützung dies nicht möglich wäre, organisierte sie mehrere Medienreisen ins Krisengebiet in Afrika, so zum Beispiel nach Somalia und in die Flüchtlingslager in Uganda. Bei einer dieser Reisen nahm auch der sehr bekannte Westschweizer Humorist Thomas Wiesel teil. Als sogenannter Influencer konnte er seine Anhänger mittels eines Videos über die sozialen Medien über die humanitäre Hilfe informieren. Mehrere Westschweizer Zeitungen verlinkten diesen Beitrag.

Das Kommunikationsteam der Glückskette ergriff dabei jeweils auch die Gelegenheit, selbst Informationsmaterial zu produzieren und zielgruppengerecht über die eigenen Kommunikationskanäle wie die Website, den digitalen Newsletter und die sozialen Medien zu verbreiten.

Darüber hinaus berichteten SRF, RTS, RSI und RTR über das ganze Jahr hinweg in verschiedenen Sendungen über die Arbeit der Glückskette und ihrer Partnerhilfswerke und griffen auch andere humanitäre Themen auf. Direktor, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Glückskette wurden dabei regelmässig interviewt und stellten sich gerne auch häufig kritischen Fragen.

7.3 Dynamisierung der Sammlungen


Im Jahr 2017 erprobte die Glückskette erstmals ihr neues Konzept zur Dynamisierung der Sammeltage. Möglichkeit dazu bot der Sammeltag zugunsten der Opfer der Hungersnot in Afrika. Die Einbindung von Meinungsführern, die sich beim Thema bestens auskennen, und Influencern auf den sozialen Medien wie Thomas Wiesel und Gülsha Adilji, erlaubten es, ein breiteres Publikum anzusprechen. Das junge Publikum wurde von Gleichaltrigen für die Thematik sensibilisiert, ohne die Spende dabei ins Zentrum zu stellen.

Indirekt trugen die auf diese Art erreichten Jugendlichen dank einer Spezialaktion auf Instagram zum guten Sammelergebnis bei. Für jedes hochgeladene Bild mit dem Hashtag #SwissSolidarityForAfrica verpflichteten sich verschiedene Unternehmen, einen Betrag von fünf Franken einzubezahlen. Insgesamt wurden über 70’000 Bilder hochgeladen, was einer Summe von über 350’000 Franken gleichkam.

Mit ihrer speziellen Plattfom «handeln.glueckskette.ch» erreichte die Glückskette 2017 im sogenannten «peer-to-peer fundraising» Höchstwerte. Anlässlich von «Jeder Rappen zählt» (SRF) sowie «Coeur à Coeur» (RTS) und «Ogni centesimo conta» (RSI) konnten über hundert Jugendliche stimuliert werden, mittels eigener Aktionen ihre «peers» zum Mitmachen anzuregen. Einmal mehr ging es hier nicht allein um die Spende, sondern um die Sensibilisierung für solidarisches Denken und Handeln.

7.4 «JEDER RAPPEN ZÄHLT», «COEUR À COEUR» UND «OGNI CENTESIMO CONTA»


Die neunte Folge der gemeinsamen Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» von SRF und der Glückskette wurde vom 15. bis 21. Dezember 2017 in Luzern ausgetragen. Das Thema «Bildung – eine Chance für Kinder in Not» sprach das breite, vor allem auch junge Publikum an.

SRF 3 als federführender Sender dieser Spendenaktion scheute keine Mühe, informativ und attraktiv über das Ausbildungsmanko von Millionen von Kindern zu berichten, durch das ihnen eine bessere Zukunft versperrt bleibt. Direktübertragungen aus Burkina Faso untermalten die Problematik, zeigten aber auch auf, wie konkret geholfen werden kann. Ein 360°-Video des Partnerhilfswerkes Stiftung Kinderdorf Pestalozzi bot am Stand der Glückskette auf dem Europaplatz eine zusätzliche Anschauungsmöglichkeit, genauso wie verschiedene interaktive Stellwände zum Thema rund um den Platz.

Die Spendenversprechen beliefen sich auf mehr als 5 Millionen Franken, die ab 2018 im Ausland und in der Schweiz eingesetzt werden. Zum grossartigen Spendenresultat trugen sowohl die drei Moderatoren und Moderatorinnen in der Glasbox wie auch die abschliessende Spendenshow mit Nik Hartmann bei.


In Lausanne lancierte das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) zum zweiten Mal die Aktion «Coeur à Coeur» zum selben Thema wie «Jeder Rappen zählt» in Luzern, aber ausschliesslich auf die Schweiz zugeschnitten. Der Spendenbetrag wird 2018 in konkrete Projekte von Organisationen und Vereinen eingesetzt, die sich in erster Linie für Jugendliche einsetzen, die sich durch eine Grund- oder Zusatzausbildung aus einer Krisensituation befreien können. Drei Moderatorinnen und Moderatoren in einer Glasbox und ihre Gäste aus Politik, der Zivilgesellschaft, Kultur und Sport sensibilisierten die Zuhörerinnen und Zuhörer von Option Musique und anderen Kanälen von RTS-Radio und -TV für dieses wichtige Thema.

Die Spendenversprechen beliefen sich auf 1,2 Millionen Franken.

Im Rahmen von «Locarno on ice» lancierte auch Rete Uno von RSI eine Sammelaktion für die italienisch sprechende Schweiz. RSI hielt sich an dasselbe Prinzip wie RTS und fokussierte vor allem auf Spenden für Jugendliche in Not in der Schweiz. Die weihnächtlich gute Stimmung auf der Piazza Grande in Locarno sowie ein engagiertes Publikum, das mehrere Aktionen vor Ort veranstaltete, unter anderem auch eine Benefizveranstaltung im Rahmen der Erstausstrahlung des Films «Frontaliers», trugen zum ausgezeichneten Sammelergebnis bei.

Für alle drei Aktionen sind Anfang 2018 noch zahlreiche Spenden eingegangen.

8.1 Stiftungsrat


Der Stiftungsrat ist das oberste Organ der Glückskette. Ihm obliegt die Aufsicht über die Glückskette und er definiert deren strategische Ausrichtung. Er delegiert gewisse Aufgaben an den Stiftungsratsausschuss. Im Jahr 2017 traf sich der Stiftungsrat dreimal.

Der Stiftungsrat setzt sich aus sechs Vertreterinnen und Vertretern der SRG sowie sechs Repräsentantinnen und Repräsentanten der humanitären Hilfe zusammen. Der Präsident der Projektkommissionen und der Direktor der Glückskette sitzen jeweils als Berater, ein Vertreter der DEZA als Beobachter ein.

Die Präsidentin und der Vize-Präsident des Stiftungsrates werden vom Generaldirektor der SRG nominiert. Die Vertreterinnen und Vertreter der humanitären Hilfe stammen entweder aus dem Kreis der Partnerhilfswerke der Glückskette oder ergänzen das Gremium als unabhängige Expertinnen und Experten.

Die Stiftungsratsmitglieder werden von der Stiftung für ihre Arbeitsleistung nicht entlohnt, Spesen werden jedoch zurückerstattet.

Der Stiftungsrat verdankte an seiner letzten Sitzung Ladina Heimgartner, seine Präsidentin, die in Folge ihrer Nominierung zur stellvertretenden Generaldirektorin der SRG aus zeitlichen Gründen das Präsidium abgeben musste. Er hiess an derselben Sitzung Pascal Crittin, den von SRG Generaldirektor Gilles Marchand designierten neuen Präsidenten (ab 1. Januar 2018) willkommen.

8.1.1 Ausschuss des Stiftungsrats


Der Stiftungsrat delegiert einen Teil der Aufsicht und Kontrolle über die Geschäftsführung der Glückskette an seinen Ausschuss. Dessen Mitglieder werden vom Stiftungsrat ernannt und setzen sich aus je zwei Vertreterinnen und Vertretern der SRG und der Partnerhilfswerke sowie der Präsidentin des Stiftungsrates zusammen. Der Direktor der Glückskette und der Präsident der Projektkommissionen sitzen mit beratender Stimme ein. Der Ausschuss traf sich im Jahr 2017 fünfmal. Der Ausschuss des Stiftungsrates bereitete 2017 viele wichtige Entscheide des Stiftungsrates vor.

8.2.1 Projektkommission International


Die Projektkommission International analysiert alle von den Partnerhilfswerken eingereichten Projekte für die Auslandhilfe im Detail und befindet über deren Relevanz sowie deren konzeptuelle und technische Ausführungsdetails. Die Kommission traf sich im Jahr 2017 zu 7 Sitzungen, in denen sie insgesamt 61 Projekte genauestens analysierte.

Die Projektkommission International, deren Mitglieder vom Stiftungsrat bestimmt werden, setzt sich aus unabhängigen Expertinnen und Experten für humanitäre Hilfe sowie aus Vertreterinnen und Vertretern der Partnerhilfswerke und aus der Direktion der Glückskette zusammen. Sie wird von einer unabhängigen Person präsidiert.

So wurde Koenraad van Brabant, ein ausgewiesener Spezialist der humanitären Hilfe mit grosser Felderfahrung, vom Stiftungsrat der Glückskette zum neuen Präsidenten der Projektkommission ernannt. Er trat seine Position Anfang 2017 an.

Um die Unabhängigkeit von den in der Kommission anwesenden Hilfswerken zu gewährleisten, erfolgt der Finanzierungsentscheid in zwei Etappen: Die Projektkommission International gibt eine Empfehlung ab und die Entscheidungskommission fällt den finalen Beschluss. Letztere setzt sich aus dem Präsidenten der Projektkommission International und dem Direktor der Glückskette sowie einem Experten/einer Expertin und dem Leiter der Projektabteilung mit beratender Stimme zusammen.

Die Expertenmitglieder werden durch die Glückskette für die Sitzungstage und den Vorbereitungsaufwand zu gängigen Branchentarifen entschädigt, während die Mitglieder aus den Hilfswerken von Amtes wegen teilnehmen. Die Glückskette übernimmt die Sitzungskosten.

Projekte mit einem Finanzierungsbeitrag von bis zu 200’000 Franken werden jeweils von der Projektabteilung der Glückskette unter Zuzug unabhängiger Expertinnen und Experten analysiert. Den abschliessenden Finanzierungsentscheid fällt die Direktion. 2017 bewilligte diese 55 Projekte.

8.2.2 Projektkommission Schweiz


Die Projektkommission Schweiz kommt bei Unwettern oder Katastrophen in der Schweiz zum Einsatz. Im Jahr 2017 tagte die Projektkommission Schweiz zweimal und erhielt insgesamt 16 Unterstützungsanfragen für den permanenten Fonds Unwetter Schweiz. Gemäss den neuen Richtlinien, die im Vorjahr abgesegnet worden waren, wurden aus diesem Fonds erstmals auch markante Beiträge an Gemeinden gesprochen, unter anderem an Gemeinden aus dem Emmental und Entlebuch, welche im Jahr 2014 unter schweren Unwettern litten und noch hohe Restkosten zu verzeichnen hatten.

Die Kommission befasste sich in ihrer Herbstsitzung insbesondere mit dem speziell eingerichteten Fonds «Bond», wobei sie dessen Richtlinien und die einzuhaltenden Prozeduren verabschiedete. Sie nahm mit Zufriedenheit zur Kenntnis, dass die Soforthilfe im Falle von Bond schnell und unbürokratisch abgewickelt werden konnte.

Die Kommission besteht aus drei Experten, je einem Vertreter der mandatierten Partnerorganisationen Schweizerisches Rotes Kreuz und Caritas Schweiz, Vertreterinnen und Vertretern der Glückskette sowie dem Präsidenten der Kommission. Sie wird von derselben unabhängigen Person präsidiert wie die Projektkommission International. Die Kommission hiess im Frühjahr die neuen Vertreter von Caritas Schweiz und des Schweizerischen Roten Kreuzes willkommen.

8.2.3 Finanz- und Anlagekommission


Die Finanz- und Anlagekommission berät den Stiftungsrat der Glückskette und seinen Ausschuss in allen Fragen, die deren Aufsichtspflicht über die Finanzanlagen betreffen. Zudem beurteilt sie die Finanzberichte und verantwortet die Anlage- und Finanzstrategie. Die Finanz- und Anlagekommission kontrolliert auch die Einhaltung von Richtlinien im Zusammenhang mit den Finanzgeschäften der Stiftung.

Der Präsident der Finanz- und Anlagekommission wird vom Stiftungsrat ernannt. Dazu kommen drei Experten, die ebenfalls vom Stiftungsrat gewählt werden. Als Berater nimmt auch ein Vertreter von PPCmetrics, einem auf Pensionskassen und Stiftungen spezialisierten Finanzberatungsinstitut, an den Sitzungen teil. Der Direktor und die Leiterin Finanzen der Glückskette nehmen ständig an den Kommissionssitzungen teil.

Die Kommission verabschiedete im Berichtsjahr eine Charta für eine nachhaltige und sozialverträgliche Anlagestrategie, die in der Folge auch vom Stiftungsrat abgesegnet wurde. Mit dieser Charta unternimmt die Glückskette noch grössere Anstrengungen in diesem Bereich und lebt ihre Werte und Prinzipien auch bei den Finanzen noch stärker aus.

8.2.4 Medienkommissionen


Die Medienkommissionen der Glückskette sind informelle Organe. Mitglieder sind die Kommunikationsverantwortlichen der Glückskette sowie aller Partnerhilfswerke respektive der SRG.

Medienkommission Partnerhilfswerke
Die Medienkommission der Partnerhilfswerke erlaubt es der Glückskette, ihre Kommunikation und ihr Fundraising mit den Partnern abzustimmen. 2017 traf sich die Kommission zweimal und besprach vor allem die Sammlungen für Afrika und die Rohingya. Neben der Medienkommission traf sich auch die «Digital Group», in der sich die Glückskette mit ihren Partnerhilfswerken zu digitalen Möglichkeiten und Herausforderungen im humanitären Bereich austauscht, wie zum Beispiel über die Anwendung von Google AdGrants, einem kostenlosen Google-Werbeprogramm.

Medienkommission SRG
In einem informellen Rahmen und mittels bilateraler Meetings tauscht sich die Kommunikationsabteilung der Glückskette regelmässig mit den Redaktionsverantwortlichen der SRG in allen vier Unternehmenseinheiten über die Abläufe bei Sammeltagen aus, diskutiert allgemeine humanitäre Themen und berichtet transparent über die eingesetzten Spenden. Die Glückskette nimmt jedoch in keiner Weise Einfluss auf die Berichterstattung der SRG-Journalistinnen und -Journalisten, deren Unabhängigkeit garantiert ist.

 

8.3 Das Team der Glückskette


Direktion

  • Tony Burgener, Direktor und Leiter Kommunikationsabteilung
  • Catherine Baud-Lavigne, stellvertretende Direktorin, Leiterin Finanzen und Administration
  • Ernst Lüber, Leiter Projektabteilung
  • Priska Spörri, Verantwortliche Öffentlichkeitsarbeit und Partnerbeziehungen

Projektabteilung

  • Ernst Lüber, Leiter Projektabteilung
  • Manolo Caviezel, Projektbeauftragter
  • David Dandrès, Projektbeauftragter
  • Mai Groth, Projektbeauftragte
  • Fabienne Vermeulen, Verantwortliche Hilfe Schweiz
  • Rahel Bucher, Assistentin Projektabteilung
  • Nicole Bagnoud, Assistentin Sozialhilfe Schweiz (bis 30. September 2017)

Kommunikation

  • Tony Burgener, Direktor und Leiter Kommunikationsabteilung
  • Daniela Toupane, Kommunikationsbeauftragte und Pressesprecherin Deutschschweiz
  • Sophie Balbo, Kommunikationsbeauftragte und Pressesprecherin Westschweiz
  • Olivier Soret, Verantwortlicher Digital
  • Claudia Blaser, Online-Redaktorin Kommunikation
  • Laura George, Praktikantin Digitales Marketing und soziale Medien (bis 30. Juni 2017)
  • Sylvie Kipfer, Praktikantin (ab 1. August 2017)

Finanzen und Administration

  • Catherine Baud-Lavigne, stellvertretende Direktorin, Leiterin Finanzen und Administration
  • Graziella della Luce, Verantwortliche Buchhaltung
  • Corinne Mora, Verantwortliche Administration
  • Joëlle Hainaut, Assistentin Administration
  • Jodok Gschwendtner, Assistent Logistik / Informatik
  • Jasmine Stein, Bürohilfe

Delegierte

  • Priska Spörri, Verantwortliche Öffentlichkeitsarbeit und Partnerbeziehungen, Delegierte Zürich
  • Eugenio Jelmini, Delegierter für die italienische Schweiz

8.4 Stimmen der Glückskette


An den nationalen Sammeltagen der Glückskette spielen die Medien, insbesondere jene der SRG, eine sehr wichtige Rolle für die Verbreitung des Spendenaufrufs. Für jede Sprachregion der Schweiz haben die Radioprogramme der SRG eine Moderatorin oder einen Moderator bestimmt, welche an nationalen Sammeltagen über die Folgen der Katastrophe und die Sammlung informieren.

In der Deutschschweiz begleitet die SRF-Moderatorin Ladina Spiess (1) die nationalen Sammeltage der Glückskette. Die Journalistin berichtete 2017 auch regelmässig in den Sendungen Treffpunkt und Doppelpunkt auf Radio SRF 1 über den Einsatz der Spendengelder. Dazu besuchte sie im Berichtsjahr den Irak, Kamerun und Nepal und deckte jeweils ein ganz spezifisches Thema ab, wie zum Beispiel die Integrierung von Menschen mit Behinderung in die humanitäre Hilfe im Falle von Nepal.

In der Romandie ist der RTS-Radio- und Fernsehmoderator Jean-Marc Richard (2) seit 1997 an nationalen Sammeltagen die Stimme der «Chaîne du Bonheur». Er engagiert sich auch regelmässig in verschiedenen Sendegefässen von RTS für humanitäre und soziale Themen, inklusive der Berichterstattung über die Verwendung der Spenden der Glückskette, und anlässlich der Aktion «Coeur à Coeur».

In der italienischen Schweiz moderiert Carla Norghauer (3) auf RSI an Sammeltagen der «Catena della Solidarietà» und in der rätoromanischen Schweiz ist die RTR-Radiojournalistin Claudia Cathomen (4) die Stimme der «Chadaina da Fortuna».

9. Partnerschaften


Die Glückskette kann sich in ihrer Tätigkeit auf ein gut funktionierendes System von langjährigen Partnerschaften verlassen. Unterstützung erhält sie in erster Linie von ihrer Trägerin und Medienpartnerin SRG, die Spendenaufrufe medial und personell begleitet. Nach der Sammlung spielen die akkreditierten Partnerhilfswerke der Glückskette eine zentrale Rolle: Die 25 Schweizer Organisationen setzen die Hilfsprojekte im Ausland um, die von der Stiftung mitfinanziert werden.

Darüber hinaus arbeitet die Glückskette in spezifischen Bereichen mit weiteren Partnern zusammen. Dazu zählt unter anderem die Swisscom, welche die Sammelaktionen seit Jahren mit ihrer Infrastruktur und mit Spenden unterstützt. Neu kam im Rahmen von «Jeder Rappen zählt» und «Coeur à Coeur» auch die Bezahl-App Twint dazu.

9.1 Partnerhilfswerke


Die Glückskette ist ihren Spenderinnen und Spendern gegenüber verpflichtet, dass die Gelder effizient und nachhaltig eingesetzt werden. Deshalb arbeitet die Stiftung für die Hilfe im Ausland mit ausgewählten Schweizer Hilfswerken zusammen, deren Akkreditierung alle vier Jahre überprüft wird, damit sie Anträge auf finanzielle Beteiligung für Hilfsprojekte einreichen können. Dabei untersucht die Glückskette mehrere vom Stiftungsrat festgelegte Kriterien wie beispielsweise die Spezialisierung auf humanitäre Hilfe und/oder Kinderhilfe, die langjährige Erfahrung und gute Vernetzung vor Ort. Zudem führt sie regelmässige und unabhängige Finanzprüfungen und Projektevaluationen durch. Eine Ausnahmeregelung erlaubt es auch nicht-akkreditierten Hilfswerken, Projekte einzureichen, falls sie in Regionen oder in Fachgebieten tätig sind, die von den akkreditierten Hilfswerken nicht abgedeckt werden.

In der Schweiz arbeitet die Glückskette mit rund 50 Organisationen und/oder Vereinen zusammen, die sich auf den Bereich der sozioökonomischen und sozialen Integration von Jugendlichen spezialisiert haben. Die strenge Selektion basiert auf Projekteingaben, welche auch institutionelle Kriterien berücksichtigen.

Schweizer Organisationen

Accroche, Alp Grauholz, Association Astural, Association Pacifique, Association ParMi, Association REPER, Ateliers Phénix, Caritas Genf, Caritas Luzern, Caritas Schweiz, Caritas
Zürich, Croce Rossa Ticino Sezione Sottoceneri, Démarche Société Coopérative, En route pour Apprendre (ERPA), Fondation Gad Stiftung, Fondazione Il Gabbiano, Fürzüg Art & Design, La Sorcière affairée, NCBI Schweiz, Offene Kirche Elisabethen, OSEO Valais, SAH Zürich, Schule
St. Catharina, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV), Solidarité Eglises Migration Vaud, Solidaritätsnetz Bern, SOS Ticino, SRK Aargau, SRK Basel, SRK Schaffhausen, SRK Schweiz, SRK Solothurn, Stiftung Dreipunkt, Stiftung Futuri, Stiftung Job Training der Jobfactory, Stiftung Jugendsozialwerk Blaues Kreuz, Stiftung Lebenshilfe, Stiftung Pluspunkt, Verein Family Help, Verein Flüchtlinge Malen, Verein IG offenes Davos, Verein KUMA, Verein Lernwerk, Verein Netzwerk Asyl Aargau, Verein Start Again, Verein Tipiti, Vert.igo, Zentrum Bäregg


ADRA Schweiz, Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe, berücksichtigt umfassend die Bedürfnisse von Familien, bedürftigen Menschen oder Opfern und fördert deren wirtschaftliche Autonomie und Unabhängigkeit, damit die Würde wieder hergestellt wird.
Brücke · Le pont trägt mit dem Programm «Arbeit in Würde» dazu bei, dass benachteiligte Menschen in Afrika und Lateinamerika ihre Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern und ihre Armut durch eine faire und nachhaltige sozioökonomische Entwicklung überwinden.
Caritas Schweiz hilft Menschen in Not in der Schweiz und weltweit und setzt sich mit dem Netz der regionalen Caritas-Organisationen dort ein, wo Menschen von Armut betroffen sind. Caritas leistet Nothilfe bei Katastrophen und engagiert sich auch im Wiederaufbau.
Die CBM Christoffel Blindenmission Schweiz erbringt Entwicklungs- sowie Nothilfe und ermöglicht in Afrika, Asien und Lateinamerika, dass Menschen mit Behinderungen medizinisch betreut, integrativ gefördert und in die Gesellschaft
gleichberechtigt einbezogen werden.
Der Christliche Friedensdienst cfd ist aktiv in der Internationalen Zusammenarbeit, in der Migrations- und der Friedenspolitik. Gemeinsam mit lokalen Organisationen unterstützt der cfd Empowerment-Projekte mit Frauen in Palästina/Israel, in Südosteuropa und im Maghreb.
Enfants du Monde ist ein Schweizer Hilfswerk, das benachteiligten Kindern in Bangladesch, Burkina Faso, Niger, Guatemala, El Salvador, Kolumbien sowie auf Haiti eine hochwertige Schulbildung und eine gute Gesundheitsversorgung ermöglicht.
Fastenopfer ist das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz. Der Slogan «Wir teilen» umschreibt das Engagement. Fastenopfer unterstützt in 14 Ländern im Süden und in der Schweiz benachteiligte Menschen dabei, ihre Zukunft selber in die Hand zu nehmen.
Handicap International arbeitet mit Menschen mit Behinderungen und schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen und setzt sich dafür ein, ihre Grundbedürfnisse zu decken, ihre Lebensbedingungen zu verbessern und für die Einhaltung ihrer Würde und ihrer Grundrechte zu werben.
Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz leistet nach Naturkatastrophen sowie während oder nach bewaffneten Konflikten humanitäre Nothilfe und bekämpft im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit die Ursachen von Hunger, Armut und Ungerechtigkeit.
HELVETAS setzt in Afrika, Asien, Südamerika und Osteuropa Projekte in den Bereichen Wasser und Infrastruktur, Bildung, Landwirtschaft und Markt, Umwelt, Prävention von Naturkatastrophen sowie Rehabilitation und Wiederaufbau nach Katastrophen um.
IAMANEH Schweiz setzt sich für die Verbesserung der sexuellen Gesundheit und gegen Gewalt an Frauen ein. Die Projekte in Westafrika und im Westbalkan richten sich an Frauen, Kinder und Jugendliche, um diese darin zu bestärken, ein selbstverantwortliches Leben zu führen.
Medair hilft weltweit Menschen in Not in entlegenen und vernachlässigten Regionen, Krisen zu überleben, sich in Würde zu erholen und Fertigkeiten zu entwickeln, die sie für den Aufbau einer besseren Zukunft brauchen.
Médecins du Monde Suisse/Ärzte der Welt Schweiz realisiert Projekte der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit insbesondere für Mütter, Kinder und hilfsbedürftige Menschen. Ziel ist es, diesen Menschen den Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen.
Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen, eine internationale, unabhängige, humanitäre Hilfsorganisation, leistet medizinische Nothilfe für Menschen, die von bewaffneten Konflikten, Epidemien, mangelhaften Gesundheitssystemen und Naturkatastrophen betroffen sind.
Nouvelle Planète unterstützt effiziente und nachhaltige Projekte dynamischer lokaler Gruppierungen in ländlichen Gebieten von Afrika, Asien und Lateinamerika. Die lokalen Partner werden in ihren Initiativen zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen unterstützt.
Save the Children Schweiz ist eigenständiges Mitglied der grössten unabhängigen Kinderrechtsorganisation der Welt. In der Schweiz und weltweit sorgt Save the Children dafür, dass Kinder gesund aufwachsen, zur Schule gehen können und geschützt sind.
Das Schweizerische Rote Kreuz ist in der Katastrophenhilfe und im langfristigen Aufbau der Gesundheitsversorgung in Afrika, Asien und Lateinamerika engagiert. Die Organisation kämpft gegen die Armutsblindheit, gegen Epidemien inklusive Aids und bildet Freiwillige aus.
SolidarMed ist die Schweizer Organisation für Gesundheit in Afrika und verbessert die Gesundheitsversorgung von 1,5 Mio. Menschen in Lesotho, Mosambik, Tansania, Sambia und Zimbabwe, stärkt das vorhandene medizinische Angebot
nachhaltig und baut es sinnvoll aus.
Solidar Suisse setzt sich weltweit für eine gerechtere Gesellschaft ein. Solidar engagiert sich für faire Arbeitsbedingungen und mehr Demokratie und leistet humanitäre Hilfe bei Katastrophen. In der Schweiz führt Solidar
Informationskampagnen durch.
Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi engagiert sich in zwölf Ländern weltweit für den Zugang zu qualitativ guter Bildung für Kinder und Jugendliche. In der Schweiz fördert sie mit erlebnispädagogischen Projekten die interkulturelle Kompetenz von
Schülerinnen und Schülern.
Swissaid ist in neun Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und nimmt auch in der Schweiz auf entwicklungspolitische Fragen Einfluss.
Swisscontact ist eine unabhängige Stiftung. Sie fördert in 35 Entwicklungsländern nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum, angetrieben von einer innovativen Privatwirtschaft. Damit eröffnen sich Möglichkeiten für Beschäftigung und
Einkommen.
Terre des hommes – Kinderhilfe weltweit ist in mehr als 35 Ländern mit Projekten in den Bereichen Gesundheit, Kinderschutz und Nothilfe vertreten. Jedes Jahr wird das Leben von drei Millionen Kindern und deren Angehörigen verbessert.
terre des hommes schweiz setzt sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen benachteiligter Jugendlicher in zehn Ländern des Südens ein. In der Schweiz wird zur Ungleichheit zwischen Nord und Süd informiert und sensibilisiert sowie zu Solidarität ermutigt.
Vivamos Mejor setzt sich ein für eine langfristige Verbesserung der Lebensbedingungen in Lateinamerika. Die Stiftung engagiert sich dazu im Bereich der Vorschul- und Berufsbildung sowie im Bereich der Wassernutzung und bäuerlichen Existenzsicherung.

9.2 SRG SSR


Die Glückskette entstand 1946 als Radiosendung in der Westschweiz und wurde während 37 Jahren als Teil der SRG verwaltet. Im Jahr 1983 wurde die Stiftung in die Unabhängigkeit entlassen. Trotz dieser Unabhängigkeit besteht in mehrfacher Hinsicht nach wie vor eine sehr enge Partnerschaft mit der SRG. So ist diese im Stiftungsrat der Glückskette mit sechs Mitgliedern vertreten: Die Präsidentin, der Vizepräsident und vier weitere Mitglieder dieses Gremiums werden von der SRG bestimmt. Die Stiftung profitiert dabei von der Expertise und der Erfahrung des Medienhauses.

Darüber hinaus unterstützt die SRG die Glückskette mit Dienstleistungen, ohne die sich die Spendensammlungen für die Glückskette wesentlich schwieriger und kostspieliger gestalten würden. An nationalen Sammeltagen ist die Stiftung auf allen Hauptkanälen der SRG und in allen Landesteilen präsent. Dazu stellt das Medienhaus mehrere Radio- und Fernsehstudios zur Verfügung, weist in ihren Sendungen auf den Spendenaufruf der Glückskette hin und sensibilisiert die Schweizer Bevölkerung zu humanitären Notsituationen.

In verschiedenen Fernseh- und Radiosendungen (Doppelpunkt, Mitenand – Ensemble – Insieme etc.) und Reportagen berichtet der Service public zudem regelmässig über humanitäre Themen, beleuchtet kritisch den Einsatz der Spendengelder und die Arbeit der Glückskette und lässt Hilfswerke sowie Opfer von Naturkatastrophen und Konflikten zu Wort kommen. Im Jahr 2017 fanden drei Sammelaktionen für die Opfer aktueller Krisen – Bondo, Hungerkatastrophe in Afrika und Rohingya – und «Jeder Rappen zählt», «Coeur à Coeur» und «Ogni centesimo conta» statt, die allesamt von der SRG mitgetragen wurden.

Die Glückskette hielt sich während der Abstimmungskampagne mit Stellungnahmen zu No Billag zurück, obwohl das Resultat sie direkt betreffen konnte. Sie wies einzig darauf hin, dass es in der Schweiz keine andere Medienplattform gibt, welche die Schweizerinnen und Schweizer in allen vier Landessprachen bis in die hintersten Winkel mit professionell aufgearbeiteten Reportagen und Interviews sowie einer engagierten Moderation erreichen kann. Einzig eine solche Plattform erlaubt es, Spendenresultate zu erreichen, die auch den Partnerhilfswerken einen echten finanziellen aber auch kommunikativen Mehrwert bietet.

9.3 Swisscom


Swisscom ist eine langjährige Partnerin der Glückskette. Das Unternehmen stellt der Glückskette seine Dienstleistungen zur Verfügung und trägt so zu deren Betrieb bei. Während Sammeltagen und -aktionen sorgt es für die notwendige Infrastruktur (wie etwa Telefonleitungen und die Gratisnummer 0800 87 07 07), damit die Sammelzentrale angerufen und Spendenversprechen entgegengenommen werden können. Damit leistet es einen wesentlichen Beitrag zu den Betriebskosten der Stiftung.

2017 konnte die Stiftung auch im Rahmen der thematischen Sammlungen «Jeder Rappen zählt», «Coeur à Coeur» und «Ogni centesimo conta» für ihre Telefonzentralen auf die Unterstützung des Telecom-Anbieters zählen.

Darüber hinaus unterstützt Swisscom die humanitäre Hilfe der Glückskette auch finanziell und bei speziellen Aktionen wie etwa 2017 mit Virtual-Reality-Brillen für den 360-Grad-Film im Rahmen von «Jeder Rappen zählt».

9.4 Emergency Appeals Alliance


Gemeinsam kann oft mehr bewirkt werden als im Alleingang. Dies zeigt sich auch im Fundraising für humanitäre Katastrophen, wo sich kollektive Spendenaufrufe und Partnerschaften mit Medien und dem Privatsektor auszahlen. Im Rahmen der 2008 ins Leben gerufenen «Emergency Appeals Alliance» (EAA) vereinen sich die Glückskette und zehn ihr ähnliche Organisationen aus verschiedenen Ländern weltweit. Über den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu Themen wie gemeinsame Spendenaufrufe, «Best Practices» in der humanitären Hilfe oder gute Organisationsführung hinaus will sich der Verbund auch als Ansprechpartner für globale Medien und Akteure des Privatsektors etablieren.

Neben zwei regulären Sitzungen sprachen sich die beteiligten Organisationen auch zu Sammlungen zugunsten von Afrika und den Rohingya ab. Eine neue Koordinatorin sorgte dafür, dass der Informationsaustausch noch fliessender vor sich ging und einige Schwerpunktthemen (z.B. Grand Bargain) bestimmt wurden.

An der Jahressitzung in Wien wurde Catherine Baud-Lavigne, stellvertretende Direktorin der Glückskette, als Vize-Präsidentin der Allianz bestätigt. Sie amtet auch als Ansprechperson der Koordinatorin, die von Genf aus die Aktivitäten des Verbundes koordiniert.

9.5 Weitere Partner


Im Jahr 2017 konnte die Glückskette auf die Unterstützung weiterer Partner zählen. Die nachfolgende Aufzählung ist nicht abschliessend:

  • Privatradios pro Glückskette: Das Engagement der Privatradios ist exemplarisch und hilft der Glückskette bei den Spendenaufrufen und bei der Rechenschaftsablegung.
  • Post: Einzahlungsscheine der Glückskette liegen in allen Poststellen während des ganzen Jahres auf und die Spendenmöglichkeit am Postomat ist während Spendenaktionen aktiviert.
  • Revisoren Mazars: Beitrag an das Betriebsbudget und fachliche Unterstützung
  • Keystone: Unterstützung während der verschiedenen Spendensammelaktionen durch Zugang zu und Nutzungsrecht von aktuellen Bildern aus Katastrophen- und Krisengebieten
  • Swiss TXT: Unterstützung aller Spendenaufrufe
  • Migros: Spenden von Cumulus-Punkten durch Migros-Kunden an die Sozialhilfe Schweiz in der Höhe von 11’085 Franken. Damit hat die Glückskette die Stiftung Mère Sofia in Lausanne und die Organisation SUBITA, Mobile Sozialarbeit in Winterthur unterstützt.
  • Bonus Card, Demo SCOPE, WEMF und intervista bieten ihren Kunden die Möglichkeit, ihre Bonuspunkte zu spenden.
  • Crédit Suisse: Die Mitarbeitenden des Customer Service Centers unterstützten die Glückskette anlässlich der TV-Abschlusssendung von «Jeder Rappen zählt», indem sie im Hintergrund Spendentelefone entgegennahmen.
  • Twint: Twint stellte seine Dienstleistung im Rahmen von «Jeder Rappen zählt», «Coeur à Coeur» und «Ogni centesimo conta» zur Verfügung.

10. Finanzen


Wie jedes Jahr hat die Glückskette die ihr anvertrauten Spendengelder bei verschiedenen Banken angelegt, bis sie vollständig eingesetzt werden können. Die von der Finanz- und Anlagekommission genehmigte und bis 2020 verlängerte Finanzstrategie hat sich in den letzten fünf Jahren bewährt. Dabei stehen Ethik, Diversifizierung und Kapitalerhaltung im Vordergrund. Im Sinne der Transparenz zielt die Stiftung darauf ab, die nötige Liquidität für die Finanzierung laufender Projekte zu gewährleisten sowie ein bestimmtes Einkommen zu erzielen, um die Betriebskosten so weit als möglich zu decken. Sollten diese auf diesem Weg nicht gedeckt werden können, kann die Glückskette auf ihre Reserven zurückgreifen oder maximal fünf Prozent von den Spenden der grössten Sammelaktionen abbuchen.

Die Anlagerisiken werden möglichst klein gehalten und von der Direktion und der Finanzberatungsfirma PPCmetrics laufend überwacht. Das Anlagevermögen ist dreigeteilt: in flüssige Mittel und kurzfristige Geldanlagen (weniger als 12 Monate angelegt), in mittelfristige Anlagen (12 bis 48 Monate angelegt) und in langfristige Investitionen (länger als 4 Jahre angelegt). Der letzte Teil, der maximal 45 Prozent des Gesamtportfolios ausmachen darf, wurde bei zwei Finanzinstituten angelegt.

Das im Jahr 2017 erreichte finanzielle Ergebnis reichte nicht aus, um die Betriebskosten der Glückskette zu decken. Die Nettoausgaben beliefen sich auf 3’698’396 Franken, das Finanzergebnis auf 2’458’838 Franken. Gemäss Beschluss des Stiftungsrates wurde der Negativsaldo von 1’235’399 Franken einerseits durch die Entnahme von 800’000 Franken aus dem Fonds Nepal gedeckt, und andererseits durch die Auflösung eines Teils der Reserven in der Höhe von 440’000 Franken. Der Auditbericht der Revisoren Mazars SA vom Februar 2018 enthielt keine speziellen Kommentare.

Der Stiftungsrat verabschiedete im Dezember die mit der Hilfe von Conser Invest ausgearbeitete «Charta nachhaltiger Finanzanlagen», welche Umwelt-, Sozialverträglichkeits- und Unternehmensführungsprinzipien auflistet. Diese neue Charta wurde im Berichtsjahr unter der Aufsicht der Finanz- und Anlagekommission definitiv verabschiedet und mit ersten Schritten umgesetzt.

Am 31. Dezember 2017 setzten sich die zu 87 Prozent in Schweizer Franken angelegten Gelder folgendermassen zusammen: 47 Prozent Obligationen, 32 Prozent flüssige Mittel, 16 Prozent Aktien und 4 Prozent Immobilien.

IMPRESSUM

Die Glückskette ist eine Stiftung, gegründet auf Initiative der

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